Wenn Angst den Atem raubt – wie Atemtherapie bei Panikattacken unterstützen kann
- Nathalie Meyer
- 19. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Herzrasen, Engegefühl in der Brust, Atemnot, Schwindel oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren: Menschen mit Angst- oder Panikattacken erleben oft massive körperliche Symptome. Viele Betroffene glauben in solchen Momenten, ernsthaft krank zu sein oder sogar zu sterben – obwohl medizinisch häufig keine akute Gefahr besteht.
Was viele nicht wissen: Angst zeigt sich nicht nur psychisch, sondern immer auch körperlich – besonders im Atem. Genau hier setzt die Atemtherapie an.
Die letzte Ausgabe der Fachzeitschrift Atemzeit, bei der ich als Redaktionschefin mitwirken durfte, widmete sich genau diesem Thema: Angst und Panik. Die intensive Auseinandersetzung mit Fachpersonen und therapeutischen Ansätzen hat erneut gezeigt, wie eng Atem, Nervensystem und emotionale Regulation miteinander verbunden sind – und wie wirkungsvoll körperorientierte Methoden unterstützen können.
Warum der Atem bei Angst eine zentrale Rolle spielt
Bei Angst aktiviert unser Gehirn automatisch das autonome Nervensystem. Der Körper schaltet in einen Alarmzustand: Herzschlag, Muskelspannung und Atemfrequenz steigen an. Häufig entsteht dabei eine sogenannte Hyperventilation – ein schnelles, flaches Atmen.
Dadurch wird zu viel Kohlendioxid abgeatmet. Das wiederum kann Symptome wie Kribbeln, Schwindel, Engegefühl, Zittern oder Luftnot verstärken. Viele Betroffene interpretieren diese Reaktionen als gefährlich, wodurch sich die Angst zusätzlich verstärkt. Es entsteht ein belastender Teufelskreis aus Angst, Körperreaktion und noch mehr Angst.
Die Atemtherapie unterstützt dabei, diesen Kreislauf zu unterbrechen.
Wie Atemtherapie das Nervensystem regulieren kann
In der Atemtherapie lernen Betroffene, die Signale ihres Körpers besser wahrzunehmen und den Atem gezielt zu regulieren. Dabei geht es nicht um „richtig atmen“, sondern darum, wieder Sicherheit, Stabilität und Selbstwirksamkeit im eigenen Körper zu erleben.
Je nach Situation können verschiedene Elemente hilfreich sein:
Verlängerung des Ausatmens
Stabilisierung über Bodenkontakt und Körperwahrnehmung
Förderung eines ruhigeren Atemrhythmus
Übungen zur Regulation des Nervensystems
Wahrnehmung früher Warnsignale
Aufbau von innerer Sicherheit und Selbstvertrauen
Viele Menschen mit Angst oder Panik stehen dauerhaft unter innerem Druck – etwa durch hohe Selbstansprüche, Perfektionismus oder ständige Anspannung. Der Körper befindet sich dadurch oft in einem chronischen Alarmzustand. Atem- und Körperarbeit helfen, diesen Zustand schrittweise zu regulieren.
Angst ist nicht einfach „nur psychisch“
Angst ist ein ganzheitliches Geschehen. Sie zeigt sich gleichzeitig:
körperlich (z. B. Herzklopfen, Atemveränderungen, Schwindel)
gedanklich (Katastrophengedanken, Kontrollverlust)
emotional (Hilflosigkeit, innere Unruhe)
im Verhalten (Rückzug, Vermeidung)
Besonders bei wiederkehrenden Panikattacken verlieren viele Betroffene zunehmend das Vertrauen in ihren eigenen Körper. Manche vermeiden öffentliche Orte, Zugfahren oder Einkaufen aus Angst vor einer erneuten Attacke.
Gerade hier kann körperorientierte Therapie eine wichtige Unterstützung sein.
Die Bedeutung von Sicherheit und Körperwahrnehmung
Ein zentraler Bestandteil der Atemtherapie ist das Wiederfinden von Sicherheit im eigenen Körper. Viele Menschen mit Angst nehmen Warnsignale erst wahr, wenn die Überforderung bereits sehr hoch ist.
Durch gezielte Körper- und Atemübungen wird die Wahrnehmung geschult. Betroffene lernen, erste Spannungszeichen früher zu erkennen und regulierend darauf zu reagieren.
Dabei geht es nicht um Leistung oder Kontrolle, sondern um ein behutsames Wieder-in-Kontakt-Kommen mit sich selbst.
Auch unterdrückte Emotionen können eine Rolle spielen
In der therapeutischen Arbeit zeigt sich häufig, dass hinter Angst und innerer Anspannung auch unterdrückte Gefühle wie Wut, Überforderung oder Hilflosigkeit stehen können.
Menschen, die gelernt haben, Konflikte, Grenzen oder eigene Bedürfnisse ständig zurückzustellen, tragen oft dauerhaft hohe Spannung im Nervensystem. Der Körper bleibt in Alarmbereitschaft – selbst wenn objektiv keine Gefahr mehr besteht.
Atem- und Körpertherapie können helfen, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und schrittweise neue Regulationserfahrungen zu machen.
Atemtherapie als ressourcenorientierte Begleitung
Die Atemtherapie ersetzt keine Psychotherapie oder medizinische Behandlung, kann jedoch eine wertvolle Ergänzung sein – besonders bei Stress, Angstzuständen, innerer Unruhe oder Panikreaktionen.
Im Zentrum steht dabei immer der Mensch mit seinen individuellen Ressourcen, Grenzen und Erfahrungen.
Viele Betroffene erleben bereits durch kleine Veränderungen:
mehr Ruhe im Körper
besseren Zugang zum Atem
mehr Stabilität im Alltag
und wieder mehr Vertrauen in sich selbst
Begleitung in meiner Praxis
In meiner Praxis begleite ich Menschen mit einem körper- und ressourcenorientierten Ansatz aus Atemtherapie, Bewegung und Gesundheitsförderung.
Die Sitzungen bieten Raum, um zur Ruhe zu kommen, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen und neue Möglichkeiten im Umgang mit Stress, Angst und Anspannung zu entwickeln.
Ich freue mich auf deine Kontaktaufnahme.
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